5.13 Schützen von Windows-Clustern

PlateSpin Protect unterstützt den Schutz der Geschäftsdienste eines Microsoft Windows-Clusters. Folgende Cluster-Technologien werden unterstützt:

  • Windows Server 2012 R2: Auf Server basierendes Microsoft-Failover-Cluster (Modelle Knoten- und Datenträgermehrheit und Keine Mehrheit: Quorum nur für Datenträger)

  • Windows Server 2008 R2: Auf Server basierendes Microsoft-Failover-Cluster (Modelle Knoten- und Datenträgermehrheit und Keine Mehrheit: Quorum nur für Datenträger)

  • Windows Server 2003 R2: Auf Server basierender Windows-Cluster-Server (Single-Quorum Device Cluster-Modell)

Sie können die Windows-Clusterermittlung in Ihrer PlateSpin-Umgebung je nach Bedarf aktivieren oder deaktivieren. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Abschnitt 5.13.2, Aktivieren oder Deaktivieren der Windows-Clusterermittlung.

HINWEIS:Die Windows-Cluster-Management-Software bietet die Failover- und Failback-Steuerung für die Ressourcen, die auf den Clusterknoten ausgeführt werden. Dieser Vorgang wird in diesem Dokument als Clusterknoten-Failover oder Clusterknoten-Failback bezeichnet.

Der PlateSpin-Server bietet die Failover- und Failback-Steuerung für den geschützten Workload, der für den Cluster steht. Dieser Vorgang wird in diesem Dokument als PlateSpin-Failover oder PlateSpin-Failback bezeichnet.

5.13.1 Schutz für Cluster-Workloads

Der Schutz eines Clusters wird durch inkrementelle Reproduktionen der Änderungen auf dem aktiven Knoten erreicht, die an einen virtuellen Einzelknoten-Cluster übertragen werden, den Sie während der Fehlerbehebung an der Ursprungsinfrastruktur verwenden können. Bevor Sie Windows-Cluster für den Schutz konfigurieren können, muss die Umgebung die Voraussetzungen erfüllen, und Sie müssen sich mit den Bedingungen für den Schutz von Cluster-Workloads vertraut machen.

Voraussetzungen

Der Umfang der Unterstützung des Cluster-Schutzes ist von folgenden Bedingungen abhängig:

  • Hostname oder IP-Adresse des aktiven Knotens: Beim Hinzufügen eines Workloads müssen Sie den Hostnamen oder die IP-Adresse des aktiven Knotens im Cluster angeben. Aufgrund von Sicherheitsänderungen durch Microsoft können Windows-Cluster nicht mehr über den Namen des virtuellen Clusters (also über die IP-Adresse des gemeinsam genutzten Clusters) ermittelt werden.

  • Aktive Knotenermittlung: Die globale PlateSpin-Konfigurationseinstellung DiscoverActiveNodeAsWindowsCluster muss auf True festgelegt sein. auf der Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server. Das ist die Standardeinstellung. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Abschnitt 5.13.2, Aktivieren oder Deaktivieren der Windows-Clusterermittlung.

  • Suchwerte für den Ressourcennamen: Geben Sie Suchwerte an, mit denen PlateSpin Protect den Namen der gemeinsam genutzten Cluster-IP-Adressressource vom Namen anderer IP-Adressressourcen im Cluster unterscheiden kann. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Abschnitt 5.13.3, Suchwerte für den Ressourcennamen.

  • Auflösbarer Hostname: Der PlateSpin-Server muss den Hostnamen aller Knoten im Cluster auflösen können.

    HINWEIS:Der Hostname muss sich über die IP-Adresse auflösen lassen. Dies bedeutet, dass sowohl das Nachschlagen des Hostnamens als auch das rekursive Nachschlagen erforderlich ist.

  • Quorum-Ressource: Die Quorum-Ressource eines Clusters muss in der Ressourcengruppe (Dienst) des zu schützenden Clusters koexistieren.

  • PowerShell 2.0: Die Windows PowerShell 2.0-Engine muss auf allen Knoten im Cluster installiert sein.

Blockbasierte Übertragung

Bei einer blockbasierten Übertragung der Cluster-Workloads werden die blockbasierten Treiberkomponenten nicht auf dem Clusterknoten installiert. Die blockbasierte Übertragung erfolgt anhand einer treiberlosen Synchronisierung mit einer MD5-basierten Reproduktion. Da der blockbasierte Treiber nicht installiert ist, ist kein Neustart auf den Clusterknoten der Quelle erforderlich.

HINWEIS:Die dateibasierte Übertragung wird nicht unterstützt, um die Microsoft Windows-Cluster zu schützen.

Clusterknoten-Failover während der ersten vollständigen Reproduktion

Bei einem Cluster-Workload muss die erste vollständige Reproduktion fehlerfrei und ohne Clusterknoten-Failover abgeschlossen werden. Falls vor Abschluss der ersten vollständigen Reproduktion ein Clusterknoten-Failover erfolgt, müssen Sie den vorhandenen Workload entfernen, den Cluster über den aktiven Knoten erneut hinzufügen und dann den Vorgang wiederholen.

Clusterknoten-Failover während der Reproduktion

Wenn während einer vollständigen oder inkrementellen Reproduktion ein Clusterknoten-Failover vor Abschluss des Kopiervorgangs auftritt, dann wird der Befehl abgebrochen, und eine Meldung wird angezeigt, die besagt, dass die Reproduktion erneut ausgeführt werden muss.

Clusterknoten-Failover zwischen Reproduktionen

Die Knoten müssen ähnliche Profile aufweisen, damit der Reproduktionsvorgang nicht unterbrochen wird. Wenn ein Clusterknoten-Failover zwischen inkrementellen Reproduktionen eines geschützten Clusters auftritt und das neue Profil des aktiven Knotens in etwa dem fehlerhaften aktiven Knoten entspricht, wird der Schutzvertrag wie geplant für die nächste inkrementelle Reproduktion fortgesetzt. Andernfalls wird der Befehl für die nächste inkrementelle Reproduktion nicht ausgeführt.

Die Profile von Clusterknoten gelten als ähnlich, wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:

  • Seriennummern für die lokalen Volumes der Knoten (System-Volume und reserviertes System-Volume) müssen auf allen Clusterknoten gleich sein.

    HINWEIS:Ändern Sie die Seriennummern des lokalen Volumes mit dem angepassten Dienstprogramm Volume Manager, damit sie mit den einzelnen Knoten des Clusters übereinstimmen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Synchronisieren von Seriennummern im lokalen Clusterknoten-Speicher.

    Wenn die lokalen Volumes auf allen Knoten des Clusters verschiedene Seriennummern aufweisen, können Sie nach einem Clusterknoten-Failover keine Reproduktion ausführen. Beispiel: Bei einem Clusterknoten-Failover tritt ein Fehler im aktiven Knoten 1 auf und die Cluster-Software bestimmt den Knoten 2 als aktiven Knoten. Wenn die lokalen Laufwerke auf den beiden Knoten unterschiedliche Seriennummern aufweisen, wird der Befehl für die nächste Reproduktion des Workloads nicht ausgeführt.

  • Die Knoten müssen dieselbe Anzahl an Volumes umfassen.

  • Alle Volumes auf allen Knoten müssen exakt gleich groß sein.

  • Die Knoten müssen eine identische Anzahl an Netzwerkverbindungen besitzen.

Einrichtung des Schutzes

Zur Konfiguration des Schutzes für einen Windows-Cluster gehen Sie nach dem gleichen Ablaufplan wie für den normalen Workload-Schutz vor. Geben Sie den Hostnamen oder die IP-Adresse für den aktiven Knoten des Clusters an. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Grundlegender Workflow für den Workload-Schutz und die Wiederherstellung.

5.13.2 Aktivieren oder Deaktivieren der Windows-Clusterermittlung

Der PlateSpin-Server kann Windows Server-Failover-Cluster in der PlateSpin-Umgebung anhand des jeweils aktiven Knotens in den einzelnen Clustern ermitteln und inventarisieren. Alternativ werden alle aktiven und nicht aktiven Clusterknoten als eigenständige Computer behandelt.

Zum Aktivieren der Clusterermittlung für alle Windows-Cluster stellen Sie den Parameter DiscoverActiveNodeAsWindowsCluster auf True ein. Das ist die Standardeinstellung. Die Clusterermittlung, die Inventarisierung und der Workload-Schutz erfolgen über den Hostnamen oder die IP-Adresse des aktiven Knotens im Cluster (also nicht über den virtuellen Clusternamen und eine administrative Freigabe). Für die nicht aktiven Knoten im Cluster werden keine separaten Workloads konfiguriert. Weitere Voraussetzungen für den Schutz von Cluster-Workloads finden Sie unter Voraussetzungen.

Zum Deaktivieren der Clusterermittlung für alle Windows-Cluster stellen Sie den Parameter DiscoverActiveNodeAsWindowsCluster auf False ein. Mit dieser Einstellung kann der PlateSpin-Server alle Knoten in einem Windows-Failovercluster als eigenständige Computer ermitteln. Der aktive Knoten des Clusters sowie die nicht aktiven Knoten werden in diesem Fall als normale, nicht clusterfähige Windows-Workloads inventarisiert.

So aktivieren oder deaktivieren Sie die Clusterermittlung:

  1. Öffnen Sie die Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server unter

    https://<IP-Adresse_des_PlateSpin-Servers>/PlatespinConfiguration

  2. Suchen Sie den Eintrag DiscoverActiveNodeAsWindowsCluster, und klicken Sie auf Bearbeiten.

  3. Wählen Sie im Feld Wert die Einstellung True (Clusterermittlung aktivieren) bzw. False (Clusterermittlung deaktivieren).

  4. Klicken Sie auf Speichern.

5.13.3 Suchwerte für den Ressourcennamen

Damit der aktive Knoten in einem Windows-Failovercluster erkannt werden kann, muss PlateSpin Protect den Namen der gemeinsam genutzten Cluster-IP-Adressressource vom Namen anderer IP-Adressressourcen im Cluster unterscheiden können. Die gemeinsam genutzte Cluster-IP-Adressressource befindet sich auf dem aktiven Knoten im Cluster.

Der globale Parameter MicrosoftClusterIPAddressNames auf der Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server enthält eine Liste der Suchwerte, mit denen Windows-Cluster-Workloads ermittelt werden. Wenn Sie einen Windows-Cluster-Workload hinzufügen, müssen Sie die IP-Adresse des derzeit aktiven Knotens im Cluster angeben. PlateSpin Protect sucht in den Namen der Cluster-IP-Adressressourcen auf dem Knoten nach dem Namen, der mit den angegebenen Zeichen beginnt. Jeder Suchwert muss daher so viele Zeichen enthalten, dass die gemeinsam genutzte IP-Adresseressource auf einem bestimmten Cluster feststellbar ist, kann jedoch gleichzeitig so kurz sein, dass er auch für die Ermittlung in anderen Windows-Clustern genutzt werden kann.

Der Suchwert Clust-IP-Adresse oder Clust-IP ordnet beispielsweise die Ressourcennamen Clust-IP-Adresse für 10.10.10.201 und Clust-IP-Adresse für 10.10.10.101 zu.

Die gemeinsam genutzte Cluster-IP-Adressressource trägt den Standardnamen Cluster IP Address in englischer Sprache (bzw. eine Übersetzung dieses Namens, wenn ein Clusterknoten in einer anderen Sprache konfiguriert wurde). Die Standardsuchwerte in der Liste MicrosoftClusterIPAddressNames enthalten den Ressourcennamen Cluster IP Address auf Englisch und in allen unterstützten Sprachen.

Der Ressourcenname der gemeinsam genutzten Cluster-IP-Adressressource ist benutzerkonfigurierbar; tragen Sie daher nach Bedarf weitere Suchwerte in die Liste ein. Wenn Sie den Ressourcennamen ändern, müssen Sie die Liste MicrosoftClusterIPAddressNames mit dem entsprechenden Suchwert ergänzen. Wenn Sie beispielsweise den Ressourcennamen Win2012-CLUS10-IP-ADRESSE festlegen, fügen Sie diesen Wert zur Liste hinzu. Falls eine Namenskonvention für mehrere Cluster gilt, werden mit dem Eintrag Win2012-CLUS alle Ressourcennamen aufgefunden, die mit dieser Zeichenfolge beginnen.

So tragen Sie Suchwerte in die Liste MicrosoftClusterIPAddressNames ein:

  1. Öffnen Sie die Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server unter

    https://<IP-Adresse_des_PlateSpin-Servers>/PlatespinConfiguration

  2. Suchen Sie den Eintrag MicrosoftClusterIPAddressNames, und klicken Sie auf Bearbeiten.

  3. Tragen Sie im Feld Wert einen oder mehrere Suchwerte in die Liste ein.

  4. Klicken Sie auf Speichern.

5.13.4 Zeitüberschreitung bei Quorumvermittlung

Mit dem globalen Parameter FailoverQuorumArbitrationTimeout auf der Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server legen Sie den Regstrierungsschlüssel „QuorumArbitrationTimeMax“ für Windows Server-Failovercluster in Ihrer PlateSpin-Umgebung fest. Die standardmäßige Zeitüberschreitung beträgt 60 Sekunden gemäß dem Microsoft-Standardwert für diese Einstellung. Weitere Informationen finden Sie unter QuorumArbitrationTimeMax auf der Microsoft Developer Network-Website. Das angegebene Zeitüberschreitungsintervall gilt für die Quorumvermittlung bei Failover und Failback.

So legen Sie die Zeitüberschreitung für die Quorumvermittlung für alle Windows-Failovercluster fest:

  1. Öffnen Sie die Konfigurationsseite für den PlateSpin-Server unter

    https://<IP-Adresse_des_PlateSpin-Servers>/PlatespinConfiguration

  2. Suchen Sie den Eintrag FailoverQuorumArbitrationTimeout, und klicken Sie auf Bearbeiten.

  3. Geben Sie in das Feld Wert den maximalen Zeitraum (in Sekunden) für die Quorumvermittlung ein.

  4. Klicken Sie auf Speichern.

5.13.5 Festlegen der Seriennummern des lokalen Volumes

Mit dem angepassten Dienstprogramm Volume Manager können Sie die Seriennummern des lokalen Volumes ändern, so dass sie in den einzelnen Knoten des Clusters übereinstimmen. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Synchronisieren von Seriennummern im lokalen Clusterknoten-Speicher.

5.13.6 PlateSpin-Failover

Wenn der PlateSpin-Failover-Vorgang abgeschlossen ist und der virtuelle Ein-Knoten-Cluster online geht, sehen Sie einen Cluster mit mehreren Knoten, bei dem ein Knoten aktiv ist (alle anderen Knoten sind nicht verfügbar).

Für ein PlateSpin-Failover (oder zum Testen des PlateSpin-Failover) auf einem Windows-Cluster muss der Cluster eine Verbindung zu einem Domänencontroller herstellen können. Zur Nutzung der Test-Failover-Funktion müssen Sie den Domänencontroller zusammen mit dem Cluster schützen. Während des Tests müssen Sie den Domänencontroller hochfahren, gefolgt vom Windows-Cluster-Workload (in einem isolierten Netzwerk).

5.13.7 PlateSpin-Failback

Für einen PlateSpin-Failback-Vorgang ist eine vollständige Reproduktion für Windows-Cluster-Workloads erforderlich.

Wenn Sie das PlateSpin-Failback als vollständige Reproduktion auf ein physisches Ziel konfigurieren, können Sie eine der folgenden Methoden verwenden:

  • Ordnen Sie alle Festplatten auf dem virtuellen PlateSpin-Ein-Knoten-Cluster einer einzigen lokalen Festplatte auf dem Failback-Ziel zu.

  • Fügen Sie dem physischen Failback-Rechner eine andere Festplatte (Festplatte 2) hinzu. Sie können den PlateSpin-Failback-Vorgang dann so konfigurieren, dass das System-Volume des Failovers auf Festplatte 1 und die zusätzlichen Festplatten des Failovers (zuvor gemeinsam genutzte Festplatten) auf Festplatte 2 wiederhergestellt werden. So kann die Systemfestplatte auf die Speicherfestplatte mit gleicher Größe wiederhergestellt werden wie die ursprüngliche Quelle.

Nach einem PlateSpin-Failback müssen Sie den gemeinsam genutzten Speicher wieder anschließen und die Clusterumgebung neu aufbauen, bevor Sie weitere Knoten in den wiederhergestellten Cluster aufnehmen können.

HINWEIS:Sobald der Cluster die Phase Bereit zum erneuten Schützen erreicht, müssen Sie zunächst das Failback-Ziel neu aufbauen und wiederherstellen, so dass es als Cluster ermittelt werden kann. Im Rahmen des Neuaufbaus müssen Sie den PlateSpin-Clustertreiber manuell deinstallieren.

Weitere Informationen zum Neuaufbauen der Cluster-Umgebung nach einem PlateSpin-Failover/-Failback finden Sie in den folgenden Ressourcen:

  • Windows Server 2012 R2 Failover-Cluster (Failback auf physischen oder virtuellen Neuaufbau): Weitere Informationen hierzu finden Sie im Knowledgebase-Artikel 7016770.

  • Windows Server 2008 R2 Failover-Cluster (Failback auf physischen oder virtuellen Neuaufbau): Weitere Informationen hierzu finden Sie im Knowledgebase-Artikel 7015576.